29. September 2010

Ausbildung - Bauzeichner ohne Zukunft? - Teil 1


Seit der Gründung meines Büros vor über 20 Jahren, bilde ich Bauzeichner in der Fachrichtung Ingenieurbau aus. Dieser Beruf hat in den vergangen Jahren eine große Wandlung hinter sich.
Als ich vor über 30 Jahren meine Ausbildung abschloss, lag der Schwerpunkt auf der Erstellung der Pläne am Zeichenbrett. Darauf war auch die Ausbildung ausgerichtet. Eine Aussage meines Ausbilders zu dieser Zeit irritierte und faszinierte mich zugleich. "Eines Tages werden wir die Pläne nur noch digital am Computer erstellen."
Es sollte fast 15 Jahre dauern, bevor ich mich in das CAD-Zeitalter stürzte. Wie auch heute noch, begegnete ich immer wieder Menschen die dieser Entwicklung sehr skeptisch entgegen standen, und deren Entwicklung letztlich auch verschliefen. Dies war letztlich auch mit ein Grund, warum ich vor über 20 Jahren meine Firma gründete. Wenn andere die Entwicklung nicht unterstützten, dann musste ich es selber tun.
Die Entwicklung schreitet jedoch immer weiter voran. Heute spricht nicht nur in unserem Bereich jeder von 3D. Bereits vor mehr als 10 Jahren erstellte ich ein erstes Projekt in 3D. Leider wurde die Weiterentwicklung der Software eingestellt, und die Entwicklung in diesem Bereich geriet für mich ins stocken. Doch 3D hatte mich erfasst. Ich beobachtete den Markt weiter, und wagte 2008 einen Neuanfang. Diesmal mit Erfolg. Auch wenn mir immer noch dieselben Skeptiker begegnen, haben wir unseren Planungsprozess mit beginn ds Jahres 2010 auf 3D umgestellt.
Diese Vorgeschichte soll nur den Verlauf eines Bauzeichner(Konstrukteur)-Leben verdeutlichen.
Zu Beginn meiner Ausbilder Tätigkeit, war die Umsetzung recht einfach. Es galt das Erlernte am Zeichenbrett weiter zu vermitteln. Die Themenschwerpunkte haben sich sicherlich auch heute noch nicht dramatisch verändert. Eins war mir schon immer bei der Ausbildung wichtig. Die exakte Darstellung des Baukörpers, sowie genaue Kenntnisse in der darstellenden Geometrie. Leider sind mir auch später noch zu CAD-Zeiten, Personen begegent, die ungenau gezeichnet bzw. an den Plänen herum gepfuscht haben.
Mit Beginn der Umstellung auf CAD stellte sich natürlich auch die Frage der Ausbildung neu. Die Ausbildung hier bei uns beruht im wesentlichen auf einer schulischen und firmenbezogenen Ausblidung. Wobei der theoretische Teil den Schulen oblag, und der praktische den Firmen. So lag es natürlich an den Firmen den ersten Schritt im Bereich CAD zu tun. Ich stellte meine Ausbildung auf CAD um. Natürlich gehört hierzu auch ein theoretischer und praktischer Teil. Im theoretsichen Bereich war zu diesem Zeitpunkt von den Schulen natürlich nichts zu erwarten. Dies musste vollständig von mir übernommen werden. Sicherlich war zu Beginn der CAD-Ausbildung diese sehr Software bezogen. Einen sogenannten CAD übergreifenden Standard war zu dieser Zeit nicht ersichtlich.
Nun stehen wir vor einer neuen Schwelle. Es gilt die Ausbildung für das 3D-Modelling, bzw. BIM zu integrieren. Doch einfach so wie bisher, bzw. wie bei der Umstellung auf CAD weiterzumachen, bzw. dies so eins zu eins zu übenehmen, fällt mir schwer.
Es gilt sich uns der geschaffenen Problematik und der neuen Situation zuvor bewusst zu werden.
Ich möchte dies anhand von ein Paar Beispielen verdeutlichen.
Schauen wir uns die heutige Ausbildung eines Bauzeichners im Bereich CAD an.
In den Schulen wird es schon als Erfolg gefeiert, das man jetzt endlich Notebookklassen hat, bzw. diese zum Teil sogar erst anstrebt. An sich ist dies eine gute Sache, jedoch zeigt sich an zwei Dingen der sogenannte Fehler im Detail.
Zum einen haben wir hier den finanziellen Faktor. Dies wird in erster Linie auf den Schultern der Firmen und der Auszubildenden ausgetragen. Gerade in den KMU's spielt dies eine wesentliche Rolle. Weiterhin werden, was den finanziellen Rahmen angeht, Zahlen genannt, die jeglicher Praxistauglichkeit entbehren.
Ich selber war an einer IHK Veranstaltung anwesend, wo für die Anschaffung eines CAD tauglichen Notebooks 500,00€ genannt wurden. Diese unrealistische Einschätzung zeigt uns eine andere Problematik auf.
Entscheidungsträger in den Firmen, auch bei den KMU's sind hierbei überfordert. Weit wichtiger ist jedoch der Umstand, das wir an den Schulen Lehrer haben die nicht in der Lage sind mit einer topaktuellen Software umzugehen. Es ist schon vielsagend, wenn meine Auszubildenden mit der Antwort konfrontiert werden, wir haben Software XY, können sie euch aber nicht erklären. Bei dieser Software sprechen wir nicht von einen Noname Produkt, sondern vom Marktführer.
Man kann sicher darüber streiten, ob es sinnvoll ist eine bestimmte Software zu erlernen. Es steht jedoch außer Frage das die Chancen am Arbeitsmarkt steigen, wenn eine Software beherrscht wird, die über 80% des Marktes weltweit abdeckt.
Wie bei anderer Software kann hier von einem Standard gesprochen werden.
Nun könnte man aber auch davon ausgehen, das der CAD-Part der Schulen im Allgemeinen Bereich, wie Standards, Austausch etc. zu liegen hat. Doch auch hier passiert nichts.
Auch hier müssten die Firmen wieder einspringen. Leider ist dies in vielen Fällen nicht der Fall. Für viele sind Begriffe wie CAD-Standards, Datenaustausch usw. immer noch ein Fremdwort.

Teil 2 folgt in wenigen Tagen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen